Opas goldene Taschenuhr

Gerne verbringe ich die Urlaube bei meinen Großeltern. Dort habe ich einen Spielfreund, mit dem ich viel draußen in einem verwilderten Park spiele und die Gegend erkunde.

Meine Oma legt viel Wert darauf, dass ich immer pünktlich zum Mittagessen zurück komme. Da ich beim Spielen die Zeit vergesse und häufig zu spät zum Essen erscheine, bekomme ich die alte goldene Taschenuhr, die mein Großvater von seinem Großvater erbte, überreicht.

Sorgfältig verstaue ich die große Uhr ganz tief in meiner Hosentasche. Dann stromere ich mit meinem Freund los. Auf dem Weg klettern wir durch einen hohlen Baumstamm und kriechen durchs Unterholz.

„Oh Schreck! Die Uhr ist weg!“ Ich fasse in die Hosentasche, um nach der Uhrzeit zu schauen und stelle fest, dass diese leer ist. „Wo habe ich nur die Uhr verloren? Sie war doch ganz tief unten in der Hosentasche!“

Ich traue mich nicht nach Hause. Denn ich habe große Angst vor der Reaktion meines Großvaters. Schließlich stehe ich weinend in der Haustür und beichte was passiert ist. Mein Opa nimmt mich verständnisvoll in den Arm und tröstet mich.

Nach dem Mittagessen machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach der Uhr. Mein 60-jähriger Opa und ich kriechen gemeinsam durch das Unterholz und suchen das Erbstück. Leider können wir es nicht finden. Wir trauern gemeinsam um den Verlust der alten Uhr.

Obwohl die Suche erfolglos blieb, war dieses Erlebnis ein wertvoller Moment für mich. Es war schön zu erleben, dass ich meinem Großvater wichtiger bin, als die Uhr.

Großvater: *1923, Agrarökonom
Enkeltochter: *1979, Forscherin an der Universität
Jahr der Szene: ca. 1986

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