Am Karpfenteich

Mein Vater und ich fahren mal wieder zu meinem Onkel. Der wohnt außerhalb des Dorfes in einer alten Mühle. Dort gibt es immer viel zu entdecken. Heute haben wir die Angel eingepackt. Wir wollen einen Karpfen im Weiher fangen.

Wir haben vorher schon ein paar Regenwürmer als Köder unter Steinen gesammelt. Mein Vater befestigt einen Wurm am Angelhaken, holt aus und wirft die Schnur ganz weit hinaus auf den Weiher. Aufgeregt hüpfe ich am Rand des Weihers hin und her. Mein Vater sagt: „Setz‘ dich ruhig hin, sonst beißen die Fische nicht!“ Es fällt mir schwer, aber ich sitze still neben meinem Vater, starre auf den Schwimmer der Angel und warte ab, was geschieht.

Da! Nach einer gefühlten Ewigkeit bewegt sich der Schwimmer, ein Fisch scheint angebissen zu haben! Immer noch wartet mein Vater bis die Bewegung des Schwimmers heftiger wird und der Fisch fest am Haken zieht. Endlich rollt er die Angelschnur auf, zieht den zappelnden, sich wehrenden Fisch aus dem Wasser.

„Ja, der ist groß genug, den nehmen wir mit nach Hause und braten ihn in der Pfanne“, kommentiert mein Vater unsere Beute.

Zu Hause angekommen, wird der Karpfen gebraten. Mein Vater gibt mir kleine Fischstückchen, die er sorgfältig von Gräten befreit hat auf den Teller und wir verspeisen gemeinsam den Fang.

Vater *1934 Metzger
Sohn *1973 Erzieher und Journalist
Jahr der Szene: ca. 1981

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