Der leere Kochtopf

Meine Stiefmutter und ich streiten uns fast den ganzen Tag und ich ziehe mich schmollend zurück.

Am Abend ruft mich mein Vater zu Tisch. Ich bin sauer wegen des Streits und will nicht zum Abendessen gehen. Ich wünsche mir, dass mein Vater sich Zeit nimmt und mit mir alleine spricht. Doch mein Hunger ist groß und das Essen verbreitet einen leckeren Duft. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen.

Aber mit meinen 13 Jahren bleibe ich stur und trotzig dem Abendessen fern.

Mein Plan ist es zu warten, bis die Eltern schlafen, dann in die Küche zu schleichen und heimlich die Reste zu essen.

Aber es dauert und dauert. Meine Eltern gehen nicht wie üblich um zehn Uhr ins Bett. Es wird immer später und mein Hunger immer größer.

Um zwölf Uhr in der Nacht liegen sie endlich im Bett und schlafen. Ich schleiche in die Küche. Dort steht noch der fast warme Topf auf dem Herd. Gespannt und hungrig hebe ich den Deckel. Der Topf ist leer! Nur warmes Wasser und ein paar Steine befinden sich darin.

Ich gehe hungrig zu Bett.

Am nächsten Tag sprechen mein Vater und ich uns aus. Ich entschuldige mich bei ihm für mein stures Verhalten. Er entschuldigt sich bei mir, dass ich hungrig ins Bett gehen musste.

Aus dieser Geschichte habe ich gelernt, Dinge gleich anzusprechen, und nicht den ganzen Tag zu schmollen oder Theater zu spielen.

Vater: *1919, Berufssoldat
Sohn: *1955, Künstler und Dolmetscher
Jahr der Szene: ca. 1968

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